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versunken

Zwei Wochen ist es nun schon her, dass ich zurück nach Deutschland in die alte Heimat kam, zwei Wochen und zwei Tage, dass ich in Guayaquil in das Flugzeug stieg und eine neue Heimat hinter mir iiess.

Als die Lichter der Stadt unter mir in der Nacht versanken, kleiner und kleiner wurden, der dunkle Guayas die Lichter der Stadt fraß und selbst aufging in die Nacht, war es so, als würde auch meine Erinnerung hinter mir versinken.

Fast vier Monate zuvor landete ich in dieser Metroppole, die mir in den nächsten Monaten und Tagen viele ihrer Gesichter zeigen sollte. Ich stand im Flughafengebäude, etwas verloren und wartete, dass ich abgeholt wurde. Dann bretterten wir durch eine Stadt ohne Fahrbahnmarkierungen, hupten statt zu blinken, und rasten durch eine noch immer heiße und schwüle Abendluft. Ich aß Ananas, trank ecuadorianisches Bier und verliebte mich direkt in mein neues Zimmer, obwohl es nur ein kleines Bad hatte, in dem ich immer die Beine zur Benutzung zur Seite stellen musste, und mein Schrank leider meine Koffer waren. Aber eigentlich machte mir das gar nichts aus. Es war sowieso alles so fremd. Und das Hostel an sich war noch eine kleine Baustelle, an der wir die nächsten Tage noch rumwerkelten und in dem wir Spanisch lernten, es zumindest versuchten, und abends DVDs auf aus den Boden ausgebreiteten Matrazen schauten.

Dort auf 33C saß ich also und fragte mich, wo die Zeit geblieben war. Und hatte keine Ahnung. Auch nicht, warum ich überhaupt im Flieger saß, und nicht einfach verlängert hatte.

Doch das Hostel entwickelte sich und aus der Baustelle, in denen nur meine beiden Gastgeberinnen und ich (und Chula und manchmal noch Alejo) hausten, wurde ein gastfreundlicher Ort. Leute kamen, wohnten ein paar Tage, und verschwanden - hinterließen außer flüchtigen Erinnerungen keine Spur.

Flüchtig wie mir auch meine sonstigen Erinnerungen erscheinen.

Es gab Tage, da verließ ich mein Bett nur, um zu frühstücken und neuen Kaffee zu holen, verbrachte den Rest des Tages mit bloggen, lesen und chatten (und Kater haben). Aber ebenso gab es Tage, da verließ ich das Hostel, half hier und da, ging zum Sport, aß kurz, ging zum Praktikum und kam spät abends wieder (dies war eigentlich mein Alltag). Und dann gab es meine beiden - doch irgendwie kurzen - Reisen. Viel gesehen und viel erlebt, wenige schlimme Sachen, mehr fröhliche Sachen. Und einen traurigen Abschied.

Die Zeit habe ich noch nie verstanden, manchmal rennt sie, manchmal schleicht sie, aber im Flieger sitzend schien sie einfach verschwunden zu sein. Die Erinnerung war wie weggeblasen. Der Zweifel füllte ihre Lücken, waren das vier Monate? Und alles was da war, war der Schatten einer Erinnerung. Von vier Monaten, in denen ich ein neues Zuhause gefunden hatte, ein neues Leben.

Dann verschwand das neue Leben, und das alte setzte sich - gefühlt nahtlos - fort. Und hinterließ nur den schalen Beigeschmack eines frühen Morgens, an dem man noch krampfhaft versucht den eben geträumten Traum festzuhalten - oder zumindest einen Zipfel der Erinnerung zu fassen, bevor sie versinkt.

17.8.09 02:12
 


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